Jagdkampf
von Sebastian Blecke

In der Zeit vom 11.09. - 21.09. 2001 fand an der InfS in Hammelburg der Lehrgang "Jagdkampf beim Schutz von Räumen" statt.



Dieser Bericht soll einen kurzen Einblick in die Lehrinhalte des 14-tägigen Lehrganges ermöglichen und ResUffz /-Offz dazu anregen auch in der Zukunft an diesem Lehrgang teilzunehmen.

1. Definition Jagdkampf

Jagdkampf ist ein besonderes Einsatzverfahren für infanteristische Kräfte in allen Gefechtsarten und dient der Erfüllung allgemeiner Aufgaben im Einsatz mit dem Zweck, Feind aufzuklären, abzunutzen, zu zerschlagen und zu vernichten (sinngemäß aus HDv 100/900).

Mit der Definition scheint der Begriff „Jagdkampf“ für das Erste ausreichend genug beschrieben zu sein.

Jagdkampf beschränkt sich dabei jedoch keinesfalls auf Aufgaben, die ausschließlich vom Heer bewältigt werden. Die Luftwaffe ist in diesem Punkt erstaunlicher Weise bereits einen Schritt weiter und hat die Aufgaben des Jagdkampfes in ihren Vorschriften bereits ausgiebig berücksichtigt.

Im Heer haben besonders die Kräfte der Infanterie die Fähigkeit, Kommandounternehmen mit Hinterhalt und Handstreich im Rahmen des Jagdkampfes durchzuführen. Dabei kämpfen auch die Heimatschutzkräfte wie die Jägertruppe. Die HSchBtl schützen vor allem zivile Objekte militärischer Bedeutung.

Jagdkampf ist somit ein wichtiger Bestandteile des Aufgabenspektrums der Heimatschutzkräfte!


2. Lehrgangsinhalte

Ziel des Lehrganges ist es, die Verbesserung der Fähigkeit, einen Zug im Objektschutz / Raumschutz in dem besonderen Einsatzverfahren Jagdkampf zu führen.

Eine hohe Selbstständigkeit der Führer auf allen Ebenen ist absolut erforderlich!

Um das Lehrgangsziel zu erreichen, wird seitens der InfS die Ausbildung in den zwei Wochen wie folgt gegliedert:

1. Woche

Theoretische Grundlagen Jagdkampf

Erkunden von Verstecken, Hinterhalten, Handstreichen

Abseilübungen, Überwinden von Hindernissen

Orientierungsmarsch im Spessart

2. Woche

Schulschießen mit G 36 & P 8

Jagdkampfübung (4 Tage) "Wendiger Wolf" im Spessart

Abschlussbesprechung

Aufgrund der terroristischen Ereignisse in den USA vom 11. September, die den zweiten Lehrgangstag, bzw. den gesamten Lehrgang überschattet haben, hat der Lehrgang an Aktualität enorm gewonnen. Denn Jagdkampf befasst sich auch mit einem neuen Aufgabenbereich der Bundeswehr - "KiK", Kampf gegen irreguläre Kräfte.

Gerade Heimatschutzkräfte im Objektschutz an der "Heimatfront" werden es i. d. R. nicht mit uniformierten, massiv auftretenden Feind zu tun haben. Vielmehr werden es vereinzelte "Nadelstiche" in Form von Anschlägen auf zivile und militärische Einrichtungen sein, die jedoch von Kräften ausgeführt werden, die nicht ohne weiteres als Feind sofort zu identifizieren sind - irreguläre Kräfte also.

Seitdem die Bundesrepublik Deutschland sich als "Hochburg" der Drahtzieher der Anschläge in den USA herausstellt, muss man diesem Aufgabengebiet (KiK) besondere Aufmerksamkeit beimessen.

Die erste Ausbildungswoche ist geprägt von der theoretischen Ausbildung des Jagdkampfes. Dennoch werden auch Außendienst-Ausbildungen durchgeführt. So wurde in den ersten Tagen in Zusammenarbeit mit der Einzelkämpfer-Inspektion eine umfangreiche Abseil-Ausbildung durchgeführt. Des weiteren wurden mehrere Geländeerkundungen durchgeführt, indem die Lehrgangsteilnehmer geeignete Positionen für Verstecke, Handstreiche und Hinterhalte erkunden mussten.

Als Highlight der ersten Woche muss jedoch der Orientierungsmarsch genannt werden, der sich über ca. 7 km Luftlinie im Spessart erstreckt. Hierbei wurden die Lehrgangsteilnehmer "mitten im Nirgendwo" mit Karte, Kompass und persönlicher Ausrüstung abgesetzt. Nachdem der eigene Standort definiert werden konnte, begann der eigentliche Marsch mit allen Elementen eines O-Marsches (einschl. 1600m (!!!) nach MKZ in Dunkelheit).

Die zweite Woche besteht im Wesentlichen aus der Jagdkampfübung "Wendiger Wolf". Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Übung an sich freilaufend war, d. h. es wurden von der Leitung keine wesentlichen Korrekturen der Befehle des jeweiligen ZgFhrs vorgenommen. Die Leitung koordinierte lediglich die Feindangriffe, die von Kräften der JgLehrKp aus Hammelburg gestellt wurden.

Dies hatte zur Folge, dass jeder Zugführer / Gruppenführer seine Entscheidungen bis zur letzten Konsequenz tragen musste.

In den vier Tagen im Spessart wurde besonders viel nachts im Schutze der Dunkelheit operiert. Der Umstand, dass es zu dieser Zeit eigentlich permanent geregnet hat, machte die Übung nicht gerade leichter / angenehmer.

Als eine besonders anstrengende Herausforderung hat sich der abschließende Übungsteil herausgestellt. Hierbei musste der gesamte Zug nachts (ab 01:00 Uhr) in von Feind besetztes Gebiet in 3´er Trupps mit der gesamten persönlichen Ausrüstung und Waffen in ein ca. 4 km entferntes Versteck einsickern. Die Sicht in dieser Nacht war aufgrund des schlechten Wetter gleich null. Man konnte buchstäblich die "Hand vor Augen" nicht mehr sehen. Selbst der Einsatz von Rot-Licht-Taschenlampen hatte die unangenehme Folge, dass die verdeckt kämpfenden Kräfte Teile des JgKdo sofort aufklären und unter Feuer nehmen konnten (...was sie auch taten).

Letztendlich hat der gesamte Zug es jedoch bis zum Versteck geschafft. Der Hörsaalleiter hat anerkennende Worte für unsere Leistung gefunden und erwähnte in seiner Abschlussbesprechung, dass "aktive Soldaten" die Lehrgangsinhalte nicht besser hätten bewältigen können als wir Reservisten. Es wurde festgestellt, dass das Ausbildungsziel erreicht wurde.

Die Rückkehr nach Hammelburg nach vier Tagen Jagdkampf und nur 9 Stunden Schlaf wurde von den meisten Lehrgangsteilnehmern nicht mehr miterlebt, da alle bereits nach wenigen Sekunden auf der Ladefläche der 2to einschliefen.

3. Fazit

Der Jagdkampf-Lehrgang kann für ZgFhr (Uffz / Offz d. R.) uneingeschränkt empfohlen werden. Die Dienstgradgruppen-Struktur war bei diesem Lehrgang jedoch deutlich von Offz geprägt (23 Offz, 1 Uffz m. P.).

Innerhalb von zwei Wochen werden viele Lehrgangsinhalte durchgeführt. Letztlich ist die Ausbildung in vielen Punkten an die EK-Ausbildung angelehnt.

Gerade "Heimatschützer" sollten für diesen Lehrgang großes Interesse und Gefallen finden.


gez.: S. Blecke, Lt